Typische Rechtschreibfehler

Ich habe schon so eini­ge isla­mi­sche Bücher in deut­scher Spra­che gele­sen und immer wie­der sind mit typi­sche Recht­schreib­feh­ler unter­ge­kom­men. Die­se Recht­schreib­feh­ler möch­te ich gern mal kurz hier auf­zäh­len.

  • Dop­pel­te Leer­zei­chen: Häu­fig tau­chen in über­set­zen Büchern so genann­te dop­pel­te Leer­zei­chen auf. Das pas­siert, wenn man z. B. die Leer­tas­te ver­se­hent­lich dop­pelt drückt. Die­se klei­nen Stör­fak­to­ren kann man ganz ein­fach besei­ti­gen, wenn man am Ende einer fer­ti­gen Über­set­zung die "Suchen & Ersetzen"-Funktin des Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm ver­wen­det und dop­pel­te Leer­zei­chen gegen ein ein­fa­ches Leer­zei­chen ersetzt. Ggf. muss man den Vor­gang mehr­mals wie­der­ho­len, bis kei­ne dop­pel­ten Leer­zei­chen mehr vor­han­den sind.
  • Schach­tel- bzw. Band­wurm­sät­ze: Ein wei­te­res Merk­mal sind Band­wurm­sät­ze. Damit ist gemeint, dass ein Haupt­satz mit vie­len Neben­sät­zen ver­knüpft sind, z. B.: "Wenn irgend­ei­ne hin­fäl­li­ge, lun­gen­süch­ti­ge Kunst­rei­te­rin in der Mane­ge auf schwan­ken­dem Pferd vor einem uner­müd­li­chen Publi­kum vom peit­schen­schwin­gen­den erbar­mungs­lo­sen Chef mona­te­lang ohne Unter­bre­chung im Krei­se rund­um getrie­ben wür­de, auf dem Pfer­de schwir­rend, Küs­se wer­fend, in der Tail­le sich wie­gend, und wenn die­ses Spiel unter dem nicht­aus­set­zen­den Brau­sen des Orches­ters und der Ven­ti­la­to­ren in die immer­fort wei­ter sich öff­nen­de graue Zukunft sich fort­setz­te, beglei­tet vom ver­ge­hen­den und neu anschwel­len­den Bei­falls­klat­schen der Hän­de, die eigent­lich Dampf­häm­mer sind – viel­leicht eil­te dann ein jun­ger Gale­rie­be­su­cher die lan­ge Trep­pe durch alle Rän­ge hin­ab, stürz­te in die Mane­ge, rief das: Halt! durch die Fan­fa­ren des immer sich anpas­sen­den Orches­ters." (nach Franz Kaf­ka) Ursa­che die­ser Band­wurm­sät­ze sind meist die Über­set­zung von Text­bau­stei­nen aus der ara­bi­schen Spra­che in die deut­sche Spra­che. Denn die ara­bi­sche Spra­che neigt dazu, ein­zel­ne Satz­ele­men­te durch eini­ge Ver­bin­dungs­par­ti­kel wie z. B. "Wa" (و‎) zu ver­bin­den. Die­se Ver­bin­dungs­par­ti­kel sor­gen dann bei einer wort­wört­li­chen Über­set­zung zu vie­len Neben­sät­zen bzw. dass zwei Haupt­sät­ze (oder mehr) mit­ein­an­der zu einem neu­en Haupt­satz ver­wun­den wer­den. Ein guter Über­set­zer soll­te in der Lage sein, die über­setz­ten Sät­ze für das deut­sche Sprach­ni­veau auf­zu­split­ten bzw. anzu­glei­chen.
  • Fal­sche Kom­ma­set­zung: Ein ganz pro­mi­nen­tes Bei­spiel der klas­si­schen Über­set­zungs­feh­ler sind die falsch­ge­setz­ten Kom­ma­ta. Man fin­det sie immer da, wo sich in den Sät­zen nicht sein soll­ten bzw. man ver­misst sie dort, wo sie eigent­lich hin­ge­hö­ren. Die Set­zung von Kom­ma­ta erfor­dert jedoch ein eige­nes Unter­rich­tungs­ka­pi­tel.
  • Absatz oder kein Absatz: Gern sieht man es auch in den über­setz­ten Büchern, dass man ein Absatz erscheint, der aus­sieht wie ein Absatz und manch­mal nicht wie ein Absatz aus­sieht. Kon­k­rekt mei­ne ich Absatz, die nach For­mat­vor­la­gen gestal­tet sind und eine fest Lücke beinhal­ten. Es kommt aber immer wie­der vor, dass man Absät­ze ein­fach durch das mehr­ma­li­ge Drü­cken der Ein­ga­be­tas­te erzeugt. Dadurch ent­ste­hen so genann­te Leer­ab­sät­ze. Dies ent­spricht aber nicht dem Sinn und Zweck des Ein­sat­zes von For­mat­vor­la­gen.
  • For­mat­vor­la­gen und gute For­ma­tie­rung: Bit­te, bit­te, ver­wen­det For­mat­vor­la­gen eines Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm für eure über­setz­ten Bücher! Und benutzt eine gute, anspre­chen­de For­ma­tie­rung wie Sei­ten­zah­len, erkenn­ba­re Über­schrif­ten, Zitie­rung, Fuß­no­ten (nicht zu lang), sowie Kopf- und Fuß­zei­len. Ande­re ande­re wirkt erkenn­bar ama­teur­haft.
  • Sil­ben­tren­nung: Fast jedes Buch hat kei­ne (auto­ma­ti­sche) Sil­ben­tren­nung in sei­nem Fließ­text. War­um eigent­lich? Wenn man einen Text als Block­text schreibt, dann macht man es sich pas­send, die (auto­ma­ti­sche) Sil­ben­tren­nung der benutz­ten Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm zu ver­wen­den. Dadurch wer­den grö­ße­re  Lücken im Text­fluss als Block­satz ver­mie­den und der gan­ze Text sieht har­mo­ni­scher aus. Block­satz und Sil­ben­tren­nung gehen qua­si Hand in Hand in den Text­fluss ein­her.
  • Der Nafs – das Nafs – die Nafs: Auch recht lus­tig und komisch anmu­tend ist es, wenn man ara­bi­sche Wör­ter wie Nafs, Tau­hid, Iba­dah etc. mit einem deut­schen Arti­kel ver­se­hen will, der das Geschlecht des (ara­bi­schen) Sub­stan­tivs zeigt. Manch­mal ist es wirk­lich nicht ein­fach, denn es gibt Faust­re­gel hier­zu. Dadurch kön­nen Kurio­si­tä­ten enste­hen wie z. B. der Nafs – das Nafs – die Nafs. All dies konn­te man in ver­schie­de­nen Büchern nach­le­sen.
  • Voll aufs Gan­ze: Kurz gesagt, Stra­ßen­spra­che und Umgangs­spra­che haben in Sach­bü­cher gene­rell nichts ver­lo­ren (außer Zita­te, Geschich­ten, lite­ra­ri­sche Tex­te, …). Der Text muss dem Sach­ge­biet des Buchs ange­gli­chen sein.

 

2 Gedanken zu „Typische Rechtschreibfehler


  • Ich weiß zwar nicht, inwie­fern der gro­ße Teil der Bücher über­setzt wird, aber viel­leicht lie­ßen sich die Wer­ke nach der Über­set­zung einem Lek­to­ren vor­le­gen. Sprich der Text ist vom Wort­laut her über­setzt, anschlie­ßend wird das Buch ja in irgend einer Wei­se ver­öf­fent­licht wer­den sol­len. Wenn man dies dann z.B. über einen Ver­lag macht (http://www.frieling.de/manuskript-einreichen) hät­te man einen pro­fes­sio­nel­len Lek­tor wel­cher den Text qua­si ins Deut­sche rich­tet. Der­ar­ti­ge Dienst­leis­tun­gen gibt es sicher­lich auch als Ein­zel­pa­ket, es ist ja schon ein nicht uner­heb­li­cher Auffwand.

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    • Ich weiß nicht, ob die Ver­lä­ge Lek­to­re ver­wen­den. Ich den­ke, man­che Ver­lä­ge wie der Ver­lag "Isla­mi­sche Biblio­hek" ver­wen­det mitt­ler­wei­le mind. einen Lek­to­rat, der sich den Text anschaut. Ande­re Ver­lä­ge ver­zich­ten dar­auf, um kei­ne zusätz­li­chen Kos­ten zu ver­ur­sa­chen. Sie neh­men lie­ber Geschwis­ter aus ihrem pri­va­ten Umfeld, die die­se Auf­la­ge irgend­wie bewäl­ti­gen. Es kann durch­aus Nut­zen haben, wenn die Per­son der deut­schen Spra­che weit­ge­hend mäch­tig ist.

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