Das Buch "Die sunna ratiba Gebete" gelesen

An die­sem Wochen­en­de habe ich das Buch "Die sun­na rati­ba Gebe­te" von Abdul­lah ibn Za'al al-'Anzi fer­tig gele­sen. Hier folgt nun der Lese­be­richt.

Das Buch ist ein ver­hält­nis­mä­ßig dün­nes Buch und beschäf­tigt sich mit den so genann­ten "Sun­na ratiba"-Gebeten. Was man dar­un­ter ver­steht bzw. was man dar­un­ter ver­ste­hen soll, dazu schrei­be ich am Ende des Bei­tra­ges mehr.

Das Buch ist in fünf gro­ße Abschnit­te unter­teilt. Der ers­te Abschnitt han­delt von den grund­le­gen­den Eigen­schaf­ten und Merk­ma­len der "Sun­na ratiba"-Gebete. In zwei­ten Abschnitt geht es um Ange­le­gen­hei­ten, die sich mit dem Nach­ho­len der Gebe­te befas­sen. Der drit­te Abschnitt beschäf­tigt sich mit Situa­tio­nen, in der sich die Gebe­te über­schnei­den. Im vier­ten Abschnitt kann man etwa zum Beginn und zur Unter­bre­chung der "Sun­na ratiba"-Gebete nach­le­sen. Und der fünf­te und letz­te Anschnitt befasst sich mit diver­sen Din­gen.

Das Buch ist nicht als eine Art Ein­lei­tungs- oder Moti­va­ti­ons­buch gedacht, son­dern die ein­zel­nen Kapi­tel behan­deln The­men, die über die Grund­kennt­nis­se über die Gebe­te eines ein­fa­chen, prak­ti­zie­ren­den Mus­lims hin­aus­ge­hen. Das wären sol­che The­men wie:

  • die Beson­der­hei­ten des fajr rati­ba,
  • Wer­den die vier rak'a vor dem dhuhr Gebet durch­ge­hend mit einem Frie­dens­gruß gebe­tet oder mit zwei?
  • die Weis­heit, dass eine rati­ba vor dem Pflicht­ge­bet gebe­tet wer­den und eini­ge danach,
  • die Über­schnei­dung zwi­schen der rati­ba und dem istik­ha­ra Gebet,
  • Beginn der rati­ba nach der Iqa­mah
  • grund­lo­se Unter­bre­chung der nafi­la,
  • das frei­wil­li­ge Beten des Berufs­tä­ti­gen nach dem Pflicht­ge­bet

The­ma­tisch kann man das klei­ne Buch unter dem "Fiqh bezüg­lich des Gebets" ein­sor­tie­ren. Grund­le­gend eröff­net das Buch ein wich­ti­ges, gro­ßes und umfang­rei­ches The­ma. Schließ­lich ist das Gebet die zwei­te, stüt­zen­de Säu­le des Islams. Auch wenn das Buch vor­ran­gig nur mit den Sun­nah-Gebe­ten beschäf­tigt, so steckt doch ein gewis­ser, umfas­sen­der Nut­zen dar­in.

Aller­dings wird das Ver­ständ­nis hier­über durch eini­ge man­geln­de Punk­te in Gram­ma­tik ver­schlech­tert. Beson­ders ein Mus­lim, der (noch) nicht die ara­bi­sche Spra­che (in gewis­sen Ansät­zen) beherrscht, kann mit­un­ter ver­wirrt wer­den.

Auf die­se klei­nen Punk­ten will ich ins­haAl­lah in den nächs­ten Abschät­zen näher ein­ge­hen, die lei­der ein grö­ße­res Pro­blem zum Nach­teil des Buchs sind…

Was ist "Sun­nah rati­ba" bezüg­lich des Gebets? Der Begriff "Sun­nah" dürf­ten jeden Mus­lim bekannt sein, doch der Begriff "rati­ba" weni­ger. Man kann nur ver­mu­ten, dass es sich um eine ande­re Bezeich­nung um die emp­foh­le­nen Sun­nah-Gebe­te han­deln; sprich: Sun­nah muak­ka­dah. Aus eige­ner Erfah­rung weiß ich, dass die Bezeich­nung "Sun­nah muak­ka­dah" stell­ver­tre­tend für die emp­foh­le­nen Sun­nah-Gebe­te, die mit einem Pflicht­ge­bet zusam­men­hän­gen, viel bekann­ter und geläu­fi­ger ist als "sun­nah rati­ba". "rati­ba" (رتب) ist ein ara­bi­sches Verb und bedeu­tet (nach Hans Wehr) "ord­nen, anord­nen". Wenn man die Über­set­zung als Maß­stab zur ver­such­te Inter­pre­ta­ti­on des Begriffs "Sun­na rati­ba" ver­wen­det, dann läuft man schnell in die Rich­tung, dass mit die­sem Begriff die Pflicht­ge­be­te gemeint sein könn­ten, denn schließ­lich wer­den die Pflicht­ge­be­te gewis­ser­ma­ßen als Pflicht ange­ord­net.

Lei­der gibt das dün­ne Buch kei­ne wei­te­re Hil­fe­stel­lung her, kennt den Begriff "Sun­nah muak­ka­dah" und lässt den unwis­sen­den Leser im Dun­keln ste­hen.

Zusätz­lich gibt es neben der "sun­na rati­ba" noch eini­ge wei­te­re Begrif­fe, die für mehr Ver­wir­rung stif­ten. Die­se Begrif­fe hei­ßen:

  • gha­dat: frü­her Mor­gen
  • subh bzw. sib­ha: ver­mut­lich ande­re Bezeich­nung für das Fajr-Gebet
  • kusuf: (das Gebet bei) Son­nen­fins­ter­nis
  • ishraq: das Auf­ge­hen der Son­ne
  • dhuha: Vor­mit­tag bzw. das Vor­mit­tags­ge­bet
  • isti­s­ka': unklar, evt. das Unter­ge­hen der Son­ne
  • gha­zwa khair­bar: die Schlacht von Khair­bar

Man­ches ist einem schon bekannt, ande­res wie­der­um nicht. Mir per­sön­lich war eben­falls eini­ges nicht bekannt. Ich habe daher ver­sucht, die Bedeu­tun­gen der Begrif­fe zu klä­ren, was aber nicht ganz pas­send gelun­gen ist.

Gene­rell ist dies ein nicht klei­nes Pro­blem bei die­sem Buch. Anstatt eine ent­spre­chen­de kla­re­re bzw. deut­sche umgäng­li­che Bezeich­nung für die Über­set­zung zu wäh­len, schreibt man ein­fach den Begriff in Trans­la­ti­on nie­der, ohne DMG-Umschrift, dem ara­bi­schen Schrift­bild oder eine klei­ne ent­spre­chen­de Erklä­rung in 2–3 Wor­ten. Zumal wer­den danach der deut­schen Gram­ma­tik die Begrif­fe, wenn sie in einem Sub­stan­tiv zusam­men­ste­hend, weder durch ein Bin­de­strich ver­bun­den oder durch Anfüh­rungs­zei­chen als zusam­men­hän­gend gekenn­zeich­net. Sie wir­ken wie frem­de, nicht inter­pre­tier­ba­re Adjek­ti­ve im deut­schen Schrift­bild.

Auch lei­det die Über­set­zung des Buchs an aku­ter Kom­ma­set­zung-Into­le­ranz. Es feh­len schlicht die Kom­ma­ta an den rich­ti­gen Stel­len. Zwar wird im Buch­in­nen­teil der bekann­te Muha­med Cift­ci als "isla­mi­sches Lek­to­rat" genannt, doch wenn er als Lek­to­rat im Sinn der Kor­rek­tur des deut­schen Tex­tes ist, dann sind sei­ne Gram­ma­tik­kennt­nis­se ein­fach für die Ton­ne geeig­net.

Das Buch ist bis­her in 1. Auf­la­ge im EZP-Ver­lag erschie­nen im Jahr 2010. Mitt­ler­wei­le ist der Ver­lag seit lan­ger Zeit dicht und ich bezweif­le, dass das Buch mit einer Ver­bes­se­rung in zwei­ter Auf­la­ge erschei­nen wird. Der Autor heißt Abdul­lah ibn Za'al al-'Anzi und die Über­set­zung nahm Sou­heil Thab­ti vor. Das Buch kos­tet glat­te 8 EUR und kann online unter Basa­ri bestellt.

Kommentar verfassen