Buch "50 Geschichten aus Sahih al-Buharyy" durchgelesen

Momen­tan befin­de ich mich in der Schweiz und habe mir unter ande­rem auch das Buch „50 Geschich­ten aus dem Sahih al-Buha­ryy“ durch­ge­le­sen. Über die­ses Buch schrei­be ich nun fol­gen­den Lese­be­richt.

Die­ses Buch „50 Geschich­ten aus dem Sahih al-Buha­ryy“ ist eines von 3 Büchern, wel­ches der Ver­fas­ser – Salah-Aldin Sie­do – gleich­zei­tig her­aus­ge­bracht hat­te. Das Buch ist ein nicht all­zu dickes Buch von nur 192 Sei­ten und – wie der Buch­ti­tel es schon sagt – han­delt es von 50 Geschich­ten aus dem bekann­tes­ten Hadith­werk „Sahih al-Buha­ryy“ mit eini­gen, weni­gen Erläu­te­run­gen aus dem Erklä­rungs­werk „Fath al-Bari“.

Über den Zweck des Buchs schreibt der Autor im Vor­wort, dass die­se Geschich­ten „nicht bloß der Unter­hal­tung und dem Zeit­ver­treib“ dient, son­dern eher „als Leh­re und Ermah­nung für die Gläu­bi­gen. Die­se zie­hen Leh­ren aus die­sen Geschich­ten, wie die Pro­phe­ten sich ver­hal­ten haben, wenn sie dem Bösen und den Unter­drü­ckern begeg­ne­ten.“ Wohl aber muss man die­sen Wor­ten Recht geben, denn es ist weni­ger Sinn dar­in, dass man aus die­sen Geschich­ten nur his­to­ri­sche Fak­ten aus­wen­dig lernt, son­dern dass man sich mehr auf die Ermah­nung und der Leh­re die­ser Geschich­te kon­zen­triert.

Sol­che Geschich­ten sind – genau wie die Ver­se aus dem Edlen Quran – sehr facet­ten­reich. Die­se Geschich­ten spie­len bestimm­te Hand­lun­gen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen ab, z. B. der his­to­ri­schen Ebe­ne, der zwi­schen­mensch­li­chen Ebe­ne, der ermah­nen­den Ebe­ne oder isla­mi­schen Ebe­ne gemäß der rich­ti­gen ‘Aqi­dah etc. Man muss daher über die Gabe ver­fü­gen, nicht eng­ma­schig, ein­sei­tig oder gerad­li­nig den­ken, son­dern weit­bli­ckend, umfas­send und mehr­schich­tig. Die­se Gabe haben nicht vie­le Men­schen. Jedoch haben vie­le der alten isla­mi­schen Gelehr­ten, wie man es oft erken­nen mag. Man staunt nicht schlecht, wenn bei­spiels­wei­se einen Gelehr­ten ver­schie­de­ne Leh­ren und Weis­hei­ten in unter­schied­li­chen Betrach­tungs­wei­sen von einem Quran­vers oder einem Hadith her­aus­le­sen kann. Das sind eben die Vor­zü­ge von den alten isla­mi­schen Gelehr­ten.

Zurück zum Buch aber nun: Um ehr­lich zu sein, mit die­sem Buch gehe ich ein wenig in die Kri­tik. Einer­seits ist das Buch recht gut gestrickt wor­den, ander­seits ist es an eini­gen Stel­len holp­rig zu lesen, was ver­mut­lich an der frei­en Über­set­zung aus dem Ara­bi­schen ins Deut­sche lie­gen mag.

Was mir zuerst auf­ge­fal­len ist, dass die­ses Buch einen Lek­to­rat inne­hat. In dem vor­her­ge­hen­den Buch „Geschich­ten aus Quran und Sun­na“ fehl­te dies gänz­lich, was sich beim Lesen schnell bemerk­bar mach­te. Zwar gibt es nun in die­sem hier rezen­sier­ten Buch einen Lek­to­rat, aber so gänz­lich über­zeu­gend wir­ken sei­ne Leis­tun­gen auch nicht. Ein Lek­to­rat hat nicht nur die Auf­ga­be einer ortho­gra­fi­schen Ver­bes­se­rung, son­dern auch einer in der Aus­drucks­wei­se wesent­li­chen Ver­bes­se­rung. Doch dies fehlt an eini­gen Stel­len in die­sem Buch. Ein Bei­spiel im Kom­men­tar­be­reich der 38. Geschich­te „Der Gläu­bi­ge ist nicht unrein“: „Der Mus­lim ist stets rein. Gemeint ist hier jedoch nicht, dass in kei­ne unrei­nen Sub­stan­zen tref­fen kön­nen. Daher ist der Mus­lim rein. Was aber den Mus­lim anbe­langt, so ist er in jeden Zustand rein, selbst wenn er im Zustand der Dsch­ana­ba ist.“ Die­ses Bei­spiel besteht aus 4 Sät­zen: Der 1. Satz ist eine Aus­sa­ge und der 2. Satz sagt jedoch nur aus, dass damit nicht die unrei­nen Sub­stan­zen gemeint sind, wobei sich jedoch die Fra­ge stellt, ob dann alles ande­re gemeint ist, außer der unrei­nen Sub­stan­zen. Der 3. Satz hin­ge­ben ist nur eine Wie­der­ho­lung der Aus­sa­ge vom 1. Satz und der 4. Satz ist eben­so im Wesent­li­chen eine Wie­der­ho­lung des 1. Sat­zes.

Was mich eben­falls auf­ge­fal­len ist und sich nach mei­ner Mei­nung schlecht auf das Lesen des Buchs aus­wirkt, ist die freie Über­set­zung des ara­bi­schen Texts, ohne dass man den über­setz­ten Text im Nach­hin­ein noch ein­mal auf eine gute, sti­lis­ti­sche Lese­art in deut­scher Spra­che über­prüft hat bzw. es hat den Anschein, dass es nicht gemacht wor­den ist. Bei­spie­le gibt es eini­ge. So ist an einer Stel­le geschrie­ben, dass ein Saha­ber in Eisen gefes­selt ist, obwohl damit eigent­lich „Ket­ten“ gemeint sind. An einer ande­ren Stel­le ist der Titel des Kapi­tels „Über­ein­stim­mung ‘Umars mit dem Wil­len sei­nes Herrn“; jedoch wenn man die eigent­li­che Geschich­te liest, merkt man, dass es kei­ne Über­ein­stim­mung in jeg­li­cher Art gibt, da ‘Umar ibn al-Khattab stets ande­rer Mei­nung war als der Gesand­te Allahs (saws) (auf die­se Geschich­te bezie­hend). (Update: Der ara­bi­sche Titel lau­tet "muwa­faq­tu umar lil wahy". Jemand erklär­te mich, dass eigent­lich die Mei­nung von 'Umar mit der Meinung/Aussage des Gesand­ten Allahs (saws) in Ein­klang gebracht wird. Durch die­se bis­he­ri­ge unge­naue Über­set­zung ent­stand ein fal­scher Sinn des Titel.)

Auch wer­den hier und da an eini­gen Stel­len des Texts über­setz­te Rede­wen­dung ver­wen­de­te, die im dama­li­gen ara­bi­schen Sprach­ge­brauch nicht so gemeint sind, wie man sie heu­te lesen und ver­ste­hen wür­de, son­dern sie hat­ten eher mehr den Zweck einer Meta­pher bzw. einer ara­bi­schen Rede­wen­dung. Heu­te wür­de an die­se Aus­sa­gen zu teils sogar wört­lich auf­fas­sen, da man ihre dama­li­ge Bedeu­tung nicht kennt. Irgend­wie merkt man es aber auch schon, wenn man sol­che eine Aus­sa­ge liest, dass sie jedoch nicht direkt zum Kon­text des eigent­li­chen Sach­ver­halts der Geschich­te passt. Auf gut deutsch: Das klingt ein wenig komisch.

Zudem gibt es Gescheh­nis­se bzw. Hand­lun­gen in dem Text, die auf den ers­ten Blick ein wenig unlo­gisch erschei­nen. Man fragt sich, was war der Zweck die­ser Hand­lung bzw. was wur­de beab­sich­tigt. Es ist gut mög­lich, dass damals die Ara­ber den ent­spre­chen­den Situa­tio­nen so gehan­delt haben. Es kann aber auch sein, dass sich die­se „Unlo­gik­kei­ten“ durch die eigen­ty­pi­sche Art und Wei­se der ara­bi­schen Nie­der­schrei­bung ent­stan­den sind. Was aber Fakt ist, dass dies vom Autor unkom­men­tiert bleibt und somit der Leser fra­gend rat­los ist. Der Autor selbst schreibt zu Beginn, dass er kei­ne „Ver­stri­ckun­gen in unnö­ti­ge und über­flüs­si­ge Details“ haben will. Ich argu­men­tie­re jedoch: Was lässt ihn wis­sen, dass die­ses oder jenes ein unnö­ti­ges Wis­sen ist? Für ihn selbst mag es unnö­tig erschei­nen, für ande­re jedoch, die evt. unwis­sen­der als er selbst sind, kann die­ses Wis­sen von Vor­teil sein. Es ist auch eher von Vor­teil für den Lesen­den, wenn man­che Sach­ver­hal­te mit klei­nen Erklä­run­gen in Form von Fuß­no­ten genau­er erläu­tert wer­den, anstatt dass ein Text auf den ers­ten Blick holp­rig und unwirk­lich auf­zu­fas­sen ist.

Eben­so ver­mis­se ich per­sön­lich auch eine klei­ne Bio­gra­fie von Imam al-Buha­ryy wie sie ähn­lich der Bio­gra­fie von Ibn Kat­hir im Buch „Geschich­ten aus Quran und Sun­na“ zu fin­den ist; d.h. etwas über sei­ne Eltern und sei­ne Geschwis­ter zu lesen, sei­nen Leh­rern und Schü­ler oder etwas über sei­ne Eigen­schaf­ten, Wer­ke oder geta­nen Leis­tun­gen. Nach mei­ner Auf­fas­sung macht es das Buch lesens­wer­ter und man ent­hält eini­ge Ein­bli­cke in das dama­li­ge Leben des Schrei­bers.

Posi­tiv fin­de ich hin­ge­ben, dass der ara­bi­sche Ori­gi­nal­text in den jewei­li­gen Geschich­ten stets vor­aus ging. Einer­seits ist dies ein Muss für jedes Buch, das ein gewis­ses Lern­ni­veau erstre­ben will, und ande­rer­seits als Refe­renz­text eben­so wich­tig, um ein Ver­gleich zwi­schen dem ara­bi­schen und dem über­setz­ten Text zu haben und zugleich auch eine soli­de Lern­ba­sis für die ara­bi­sche Spra­che anhand von die­sen wie­der­ge­ge­be­nen Aha­dith in ara­bi­scher Spra­che.

Es erfreut mich, dass der Ver­fas­ser des Buchs – Salah-Aldin Sie­do – die Erklä­run­gen in den Fuß­no­ten beson­ders bei den Per­so­nen­na­men und bei Orts­na­men ange­wandt hat. Man liest immer wie­der exo­tisch-ara­bi­sche Orts­na­men und man fragt sich, wo die­se Ort­schaft unge­fähr liegt. Sei­ne ver­fass­ten Fuß­no­ten sind hier hilf­reich und ver­ständ­lich.

Fazit: Ich wür­de die­ses Buch mit der Schul­no­te 3 bewer­ten. Obwohl dies nicht gera­de so erfreu­end klingt, kann ich die­ses Buch doch durch­aus emp­feh­len, da ich in die­sem Buch ein poten­zi­el­les Nut­zen sehe; beson­ders für jene, die die ara­bi­sche Spra­che erler­nen und mit die­sem Buch eini­ge Übungs­tex­te zum Lesen und zum Ver­ste­hen haben. Der ermah­nen­de Aspekt, den der Ver­fas­ser des Buchs in sei­nem Vor­wort als vor­ran­gi­ges Ziel die­ses Buchs hat­te, scheint nach mei­ner Auf­fas­sung in den zu knap­pen Kom­men­ta­ren sei­ne Wir­kung zu ver­lie­ren. Manch­mal sind die Kom­men­ta­re nicht mehr als hal­be Neben­sät­ze ste­hend und der Leser ist dann lei­der selbst ange­hal­ten, die­se Ermah­nun­gen her­aus­zu­fin­den. Dies ist durch­aus ein erlern­ba­rer Aspekt in dem Ver­ste­hen von Aha­dith, dass der Leser selbst die Lern­in­hal­te eines Hadith erkennt und ver­steht. Jedoch ist das vor­lie­gen­de Buch in ers­ter Linie nicht als päd­ago­gi­sches Lern­buch erdacht gewe­sen.

Es mag sein, dass ich mit die­ser Lese­re­zen­si­on zu hart gewe­sen bin und gewis­se Punk­te mehr bewer­tet habe als ande­re. Dies ist durch­aus berech­tigt, da es eine per­sön­li­che Wie­der­ga­be mei­ner Mei­nung die­ses Buchs ist. Es ist eben sub­jek­tiv und es wird durch mei­ne Cha­rak­ter- und Wert­vor­stel­lun­gen geprägt. Ein ande­rer Leser wür­de die­ses Buch anders bewer­ten, da er man­che Din­ge nicht so streng sieht und den Wert auf ande­re Sach­ver­hal­te legt. Dies gilt näm­lich eben­falls zu respek­tie­ren. Eine Lese­re­zen­si­on ist nie­mals abso­lut, son­dern in viel­mehr rela­tiv bzw. sub­jek­tiv und es liegt im Auge des Lesers, wie er das Buch auf­fasst und ver­steht.

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