Buch "Jesus (Friede sei mit ihm)" (Vorderansicht)

Leserezension des Buches "Jesus (Friede sei mit ihm)"

Nach­dem ich das Buch "Die Beschrei­bung des Para­die­ses" gele­sen habe, mach­te ich mich an das Buch "Jesus (Frie­de sei mit ihm)" ran. Mit die­sem Bei­trag gebe ich nun in aus­führ­li­cher Wei­se mei­nen Ein­druck von die­sem Buch wider.

Das Buch "Jesus (Frie­de sei mit ihm)" hat­te ich schon vor 2–3 Mona­ten vor­ge­stellt. Damals hat­te ich zuerst ein paar neu­gie­ri­ge Bli­cke in das Buch gewagt und wegen des posi­ti­ven Erstein­drucks schließ­lich gekauft. Nach dem Erstein­druck folgt meist ein Zweit­ein­druck, der ent­we­der den Erstein­druck bestä­tigt oder aber auch ent­kräf­tigt. In mei­nen Fall wur­de der Erstein­druck lei­der ent­kräf­tigt.

Als ich mei­ne neu­gie­ri­gen Bli­cke erst­mals in das Buch warf, dach­te ich, dies sei ein Buch, wel­ches trotz sei­nes rela­tiv dün­nen Buch­um­fangs einen guten Spa­gat zwi­schen isla­mi­scher Wahr­heit, christ­li­cher Halb­wahr­heit und wis­sen­schaft­li­chen Fak­ten vom Leben und Wir­ken Jesu (a.s.) schlägt. Nach dem Lesen der ers­ten Vier­tels des Buchs ver­puff­te lei­der die­se hoff­nungs­vol­le Erwar­tun­gen.

Das Buch besteht aus drei "Kapi­teln": Ein­füh­rung, Teil 1 über die his­to­ri­schen Quel­len von Jesus (a.s.) und Teil 2 anhand von isla­mi­schen Berich­ten zu Jesu (a.s.) aus Quran und Sun­nah. Die Ein­füh­rung ist sehr klein und beschreibt auf die­sen weni­gen Sei­ten einen his­to­ri­schen Abriss. Es wird dabei kurz die Lage der Banu Isra­el seit der Zeit von Musa (a.s.) über die Herr­schaft von Sulay­man (a.s.) und Dawud (a.s.) bis hin zum Baby­lo­ni­schen Exil und der anschlie­ßen­den, römi­schen Erobe­rung von Isra­el ein­ge­gan­gen. Der tür­ki­sche Autor des Buchs – Meh­met Ali Gönül – zählt zudem die ver­schie­de­nen jüdi­schen Strö­men aus der Zeit um der Geburt Jesu auf und stellt die­se kurz vor, z. B. die Pha­ri­sä­er, die Sad­du­zäer, die Zelo­ten, die Nazo­rä­er (auch: Naza­re­ner) und die Esse­ner.

Der eigent­li­che 1. Teil des Buch beschäf­tigt sich mit "Jesus (a.s.) in den his­to­ri­schen Quel­len", wie es im Buch heißt. Damit sind jedoch im genaue­ren Sin­ne die bibli­schen Quel­len gemeint, wobei das Bar­na­bas-Evan­ge­li­um als Apo­kry­phe eben­falls oft zitiert wird. Die­ser 1. Teil ist gleich­zei­tig auch der größ­te Teil die­ses Buch. Der Autor geht hier­in zuerst auf den Namen und die Abstam­mung von Jesu ein und spä­ter auf wich­ti­ge Ereig­nis­se und Wun­der aus sei­nem Leben. Er greift dabei in die­sem Teil viel­fach auf Bibel­stel­len und auf Stel­len aus dem Bar­na­bas-Evan­ge­li­um zurück.

Im 2. und letz­ten Teil des Buchs befasst sich der Autor mit dem Leben und Wir­ken Jesu aus isla­mi­scher Sicht und fer­ner auch der Tri­ni­tät, sowie der Tat­sa­che, dass Jesus (a.s.) ohne einen bio­lo­gi­schen Vater gezeugt wur­de. Der letz­te Teil ist jedoch nicht all­zu umfang­reich.

Was mir beim Lesen des Buchs auf­ge­fal­len ist, dass es Autor z. t. auf Quel­len zurück­greift, die eher unbe­kannt sind und auch im gewis­sen Sin­ne weni­ger ver­trau­ens­wür­dig. Zudem sind bei den Zita­ten von eini­gen weni­ger bekann­ten, tür­ki­schen Gelehr­ten kei­ne Quel­len ange­ge­ben. Dies ist inso­fern pro­ble­ma­tisch, da die zitier­te Aus­sa­ge und damit auch ein Teil des Buchs selbst an authen­ti­schen Wahr­heits­ge­halt ver­liert. So wird auch behaup­tet, dass Yay­ha (a.s.), der Cou­sin von Jesus/'Isa (a.s.) von sei­nem Vater Zaka­riy­ya (a.s.) durch die jüdi­schen und aske­tisch geben­den Esse­ner auf­ge­zo­gen wird. Es mag zwar eine logi­sche und gut klin­gen­de Theo­rie sein, dasss Yay­ha (a.s.) von den Esse­ner auf­ge­zo­gen wird, weil Stel­len aus dem Qur'an und der Bibel auf ein aske­ti­sches Leben in der Wild­nis bzw. Natur hin­wei­sen, jedoch gibt es kei­nen gül­ti­gen Beweis, dass Yay­ha (a.s.) unab­ding­bar bei den Esse­ner auf­wuchs.

Wei­ter­hin ist mir auf­ge­fal­len, dass der Autor zwar zu Beginn erwähnt, dass die bibli­sche Zita­te nicht als ver­trau­ens­wür­dig zu beach­ten sind, jedoch scheint man beim Lesen den Ein­druck zu erhal­ten, dass der Autor dies selbst nicht ernst­haft beach­tet. Der Autor greift auch ger­ne auf das Bar­na­bas-Evan­ge­li­um zurück und zitiert an eini­gen Stel­len auch sei­ten­wei­se. Jedoch hat der Autor im Vor­aus dem unwis­sen­den Leser nicht klar­ge­stellt, um was es sich bei dem Bar­na­bas-Evan­ge­li­um han­delt. Dies hät­te nach mei­ner Ein­schät­zung ein Muss sein müs­sen, da nach mei­ner Erfah­rung nur weni­ge, erfah­re­ne Mus­li­me um den Sta­tus die­ses Evan­ge­li­um wis­sen und die brei­te Mehr­heit lei­der nicht.

Fazit: Der Kauf die­ses Buchs von Meh­met Ali Gönül ist nur mit gewis­sen Vor­be­hal­ten sinn­voll. So soll­te man bei eini­gen zitier­ten Stel­len des Buchs immer auf eine authen­ti­sche­re Quel­le zurück­grei­fen und gewis­se Sach­ver­hal­te über­prü­fen, bevor man die Inhal­te aus dem Buch des tür­ki­schen Autor wei­ter­gibt. Wenn man mit die­sem Hin­weis han­delt, dass ist das Buch ein brauch­ba­res, aber kurz gehal­te­nes Buch das Leben und Wir­ken Jesu (a.s.).

Ver­fasst wur­de das Buch von Meh­met Ali Gönül und aktu­ell ver­legt wur­de es von Dua Yay­in­ci­lik (= Dua Ver­ags­we­sen) aus dem Jahr 2012 in Istan­bul. Über­setzt wur­de das Buch aus dem Tür­ki­schen ins Deut­sche von M. Oymak. Mit 127 Sei­ten ist die­ses Buch recht dünn. Das Buch “Jesus (Frie­de sei mit ihm)” kos­tet 7,50 EUR und bis­her habe ich es nur bei Cor­do­ba-Buch bestell­bar vor­ge­fun­den. Ansons­ten kann man es auch über die ISBN 9786054024971 in jeden Buch­han­del erwer­ben.

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