Meine Amazon-Bestellung vom 12.03.2014: Buch der Beispiele (al-Muqaddima)

Vor ca. zwei Tagen bin ich einen Deal ein­ge­gan­gen: 15 EUR inves­tie­ren und 3 Hör­bu­cher + 30 EUR Gut­schein bei Ama­zon abstau­ben. Am wich­tigs­ten war mir der 30-EUR-Gut­schein gewe­sen, den die­sen woll­te ich unbe­dingt für ein paar gute, alte Bücher bestel­len; u. a. das Buch "Buch der Bei­spie­le" (al-Muq­ad­di­ma) von Ibn Khal­dun.

Am 12. März 2014 führ­te ich schließ­lich nach Erhalt des Gut­schein gleich bei Ama­zon eine Bestel­lung aus. Ich ent­schied mich für ein paar, älte­re und z. T. von Ori­en­ta­lis­ten über­setz­te Bücher. Im Rah­men der Ver­füg­bar­keit von 30 EUR traf ich die Ent­schei­dung, fol­gen­de Bücher zu bestel­len: "Das Hals­band der Tau­be – Von der Lie­be und den Lie­ben­den" von Ibn Hazm, "Buch der Bei­spie­le" von Ibn Khal­dun und "Rei­sen ans Ende der Welt. Das größ­te Aben­teu­er des Mit­tel­al­ters. 1325 – 1353" von Ibn Bat­tu­ta.

Die Muq­ad­di­ma ‏المقدّمة‎ / al-muq­ad­di­ma / ‚die Ein­lei­tung‘, die im Kai­ro­er Druck von 1967 ins­ge­samt 1475 Sei­ten umfasst, ist das bahn­bre­chen­de Werk Ibn Khal­duns und wird weit­hin als wich­ti­ger ein­ge­schätzt als die Uni­ver­sal­ge­schich­te selbst. An der Muq­ad­di­ma arbei­te­te Ibn Khal­dun ein Leben lang; in der Natio­nal­bi­blio­thek von Tunis lie­gen Hand­schrif­ten des Wer­kes mit eigen­hän­di­gen Ein­tra­gun­gen und Kor­rek­tu­ren des Ver­fas­sers, die in den bis­he­ri­gen Druck­aus­ga­ben bis­her unbe­rück­sich­tigt geblie­ben sind.

Mit die­sem Werk schuf Ibn Khal­dun in der isla­mi­schen Kul­tur erst­mals eine Wis­sen­schaft, die eine genaue, auf Tat­sa­chen basie­ren­de Ana­ly­se der isla­mi­schen Geschich­te zum Gegen­stand hat­te. Ibn Khal­dun hat mit einer eige­nen Metho­do­lo­gie die Ursa­chen zu ergrün­den ver­sucht, die zum Auf­stieg und Unter­gang der ara­bi­schen Dynas­ti­en geführt haben. Wäh­rend die ara­bisch-isla­mi­schen Geschichts­schrei­ber bis dahin stets bemüht gewe­sen waren, die his­to­ri­schen Ereig­nis­se, ins­be­son­de­re die Geschich­te der Dynas­ti­en, in anna­lis­ti­scher Form und anhand frü­he­rer, münd­lich und spä­ter schrift­lich über­lie­fer­ter Berich­te dar­zu­stel­len, stellt Ibn Khal­dun in sei­nem Werk immer wie­der die Fra­ge nach den Ursa­chen his­to­ri­scher Ent­wick­lun­gen, wel­che er gesell­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len, kli­ma­ti­schen und ande­ren Fak­to­ren zuord­net. In sei­nem Vor­wort zur Muq­ad­di­ma, das er im übri­gen in der Tra­di­ti­on des Adab auf dem höchs­ten Niveau der ara­bi­schen Reimpro­sa abfass­te, stellt Ibn Khal­dun die His­to­rio­gra­phie als einen der wich­tigs­ten Wis­sen­schafts­zwei­ge dar, der sich mit der Ent­ste­hung und Ent­wick­lung der Zivi­li­sa­ti­on befasst. Zugleich distan­ziert er sich von der her­kömm­li­chen Geschichts­schrei­bung und ersetzt sie durch die von ihm ein­ge­führ­te Geschichts­be­trach­tung. In die­sen in den isla­mi­schen Wis­sen­schaf­ten ein­ma­li­gen Betrach­tun­gen und Ana­ly­sen erklärt er die Legi­ti­mi­tät von Staats­macht und ihre Wur­zeln mit­tels des von ihm umge­deu­te­ten alt­ara­bi­schen Begriffs der Asa­biy­ya / ‏عصبيّة‎ / ʿaṣa­biy­ya. Die Über­set­zung die­ses Begriffs stellt sich als schwie­rig dar – die Bedeu­tun­gen rei­chen von „Stam­mes­zu­ge­hö­rig­keits­ge­fühl“, „Bluts­ban­de“ und „Sip­pen­so­li­da­ri­tät“ bis zu „Grup­pen­ge­fühl“ und For­men von Soli­da­ri­tät, die sich nicht allein auf Bluts­ver­wandt­schaft begrün­den (z.B. Kli­en­tel­ver­hält­nis­se). Die asa­biy­ya ist bei Ibn Khal­dun eine wesent­li­che Vor­aus­set­zung für die Grün­dung und für den Erhalt der welt­li­chen Macht (mulk) in jeder Epo­che der Geschich­te. Die welt­li­che Macht und ihr Erhalt ist die Grund­la­ge jeder geord­ne­ten Zivi­li­sa­ti­on.

Sei­ne Leh­re von der Zivi­li­sa­ti­on und der Kul­tur ilm al-umran / ‏علم العمران‎ / ʿil­mu ʾl-ʿum­rān umfasst aus­führ­li­che Dis­kus­sio­nen des Ver­hält­nis­ses von länd­lich-bedui­ni­schem und städ­tisch-sess­haf­tem Leben, das einen für ihn zen­tra­len sozia­len Kon­flikt abbil­det. In die­sem Zusam­men­hang und mit Hil­fe des Kon­zepts der asa­biy­ya erklärt er sowohl in der isla­mi­schen als auch in der nicht-isla­mi­schen Geschich­te den Auf­stieg und Fall von Zivi­li­sa­tio­nen, wobei auch die Reli­gi­on und der Glau­be die Wir­kung der asa­biy­ya ergän­zen und flan­kie­ren kann, wie zum Bei­spiel wäh­rend der Herr­schaft der Kha­li­fen. Die Bedui­nen als Bewoh­ner der länd­li­chen Regio­nen haben eine star­ke asa­biy­ya und sind fes­ter im Glau­ben, wäh­rend die Bewoh­ner der Städ­te im Ver­lauf meh­re­rer Gene­ra­tio­nen immer deka­den­ter und kor­rup­ter wer­den, ihre asa­biy­ya also an Kraft ver­liert. Nach einer Span­ne von meh­re­ren Gene­ra­tio­nen ist die auf der asa­biy­ya grün­den­de Macht der städ­ti­schen Dynas­tie der­art geschrumpft, dass sie Opfer eines aggres­si­ven Stam­mes vom Land mit stär­ke­rer asa­biy­ya wird, der nach Erobe­rung und teil­wei­ser Zer­stö­rung der Städ­te eine neue Dynas­tie errich­tet.

Das Kitāb al-ʿibar (der voll­stän­di­ge Titel lau­tet Kit­ab al-ibar wa diwan al-mub­ta­da wa l-cha­bar fi ayyam al-arab wa l-adscham wa l-bar­bar wa man asa­ra­hum min dawi as-sul­tan al-akbar / ‏كتاب العبر وديوان المبتدأ والخبر في أيام العرب والعجم والبربر ومن عاصرهم من ذوي السلطان الأكبر‎ / kitābu ʾl-ʿibar wa-dīwā­nu ʾl-mub­t­a­daʾ wa-ʾl-ḫabar fī ayyā­mi ʾl-ʿarab wa-ʾl-ʿaǧam wa-ʾl-bar­bar wa-man ʿāṣa­ra-hum min ḏawī ʾs-sulṭā­ni ʾl-akbar / ‚Buch der Hin­wei­se, Auf­zeich­nung der Anfän­ge und Ereig­nis­se aus den Tagen der Ara­ber, Per­ser und Ber­ber und denen ihrer Zeit­ge­nos­sen, die gro­ße Macht besa­ßen‘), Ibn Khal­duns Haupt­werk, war ursprüng­lich als Geschich­te der Ber­ber kon­zi­piert. Der Ver­fas­ser erwei­ter­te jedoch spä­ter das ursprüng­li­che Kon­zept, so dass die­ses Lebens­werk in der End­fas­sung eine – auch mit einer eige­nen Metho­do­lo­gie und Anthro­po­lo­gie aus­ge­stat­te­te – so genann­te „Uni­ver­sal­ge­schich­te“ dar­stellt. Es ist in sie­ben Bücher auf­ge­teilt, deren ers­tes, die Muq­ad­di­ma, als eigen­stän­di­ges Werk gilt. Die Bücher zwei bis fünf umfas­sen die Geschich­te der Mensch­heit bis zur Epo­che Ibn Khal­duns. In den Bän­den sechs und sie­ben schließ­lich fin­den wir die Geschich­te der Ber­ber­völ­ker und des Maghreb, die für den His­to­ri­ker den eigent­li­chen Wert des Kit­ab al-ibar aus­ma­chen, da Ibn Khal­dun hier sei­ne per­sön­li­chen Kennt­nis­se der Ber­ber­stäm­me in Nord­afri­ka ver­ar­bei­tet hat.

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