Buch "Die Islamischen Monate" (Vorderansicht)

Das Buch "Die Islamischen Monate" durchgelesen

Das Buch "Die Isla­mi­schen Mona­te" habe ich seit eini­gen Tagen durch­ge­le­sen und hier folgt nun eine Lese­re­zen­si­on des Buchs.

Als ich das ers­te Mal vom Buch gehört und gele­sen habe, wel­ches sich mit den isla­mi­schen Mona­ten beschäf­tigt, war ich zunächst begeis­tert gewe­sen. Mir war bis­her kein Buch bekannt, wel­ches sich zusam­men­fas­send mit den isla­mi­schen Mona­ten beschäf­tigt. Nun habe ich das Buch gele­sen: Das Buch ist gene­rell ganz okay, jedoch gibt es stel­len, die man über­le­sen soll­te – oder bes­ser gar aus­schnei­den und ver­bren­nen.

Das Buch ist so geschrie­ben, dass kapi­tel­wei­se die ein­zel­nen isla­mi­schen Mona­te mit ihren isla­mi­schen Vor­zü­gen vor­ge­stellt wer­den. So ist es z. B. im 1. Monat Muḥar­ram das Fas­ten zu ʿĀšūrāʾ oder im 9. Monat Ramaḍān die Lai­lat al-Qadr (= die Nacht der Bestim­mung, die Nacht der All­macht). Der Autor des Buchs Muham­mad Taqi Utma­ni geht sogar auch auf eini­ge Erneue­rung ein, die von eini­gen "Scher­gen" prak­ti­ziert wer­den und kei­ne ver­trau­ens­wür­di­ge Grund­la­ge im Islam haben. Das fin­de ich inso­fern gut, dass man über eini­ge Erneue­run­gen infor­miert wird, die man als Mus­lim even­tu­ell gar nicht kann­te.

Ein wenig stö­rend fand ich, dass es kei­ne sinn­vol­le Kapi­tel­un­ter­tei­lung gab. Sinn­ge­mä­ße Unter­ka­pi­tel wur­den wie die eigent­li­chen "Monats­ka­pi­tel" gleich­be­han­delt und dem­entspre­chend ange­ord­net. Das macht das Gan­ze auch ein wenig unüber­sicht­lich. Ein bes­se­re Kapi­tel­un­ter­tei­lung mit Haupt­ka­pi­tel und Unter­ka­pi­tel wäre hier hilf­rei­cher.

Soweit so gut! Jedoch gab es eini­ge Stel­len, die mich doch schon ent­täuscht haben. So wird vom Autor der Sufi-Meis­ter ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī sinn­ge­mäß als einer edels­ten Gelehr­ten im Islam ange­se­hen. Da sträu­ben sich bei mir die Nacken­haa­re. Zwar wird all­ge­mein argu­men­tiert, dass Ibn Taimīya von ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī in sei­ner gro­ßen Fatāwa-Buch­rei­he zitiert und man­che sind der Mei­nung, dass Ibn Taimīya ihn von der ahl as-sun­na wal-dschamāʿa ansieht. Kann was hei­ßen, muss es aber nicht. All­ge­mein ist bekannt, dass Ibn Taimīya gegen jeg­li­che Leh­ren von Sufi-Meis­ter und die­se als ket­ze­risch bewer­te­te. Auch Ibn al-Dschau­zī feu­ert mit Argu­men­ten in sei­ner Abhand­lung Tal­bīs Iblīs („Die Verführung/Fälschung des Teu­fels“) gegen die Leh­ren ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī. Gene­rell soll­te sich der Mus­lim sich von der "isla­mi­schen" Mys­tik ver­hal­ten, da es den Geist ver­ne­belt. Das zeigt auch, in wel­che Rich­tung der Autor des Buchs tickt.

Wei­ter­hin wird auch in dem Buch von der Nacht Lai­lat al-Barā'a (= Nacht der Befrei­ung vom Feu­er, Nacht der Ver­ge­bung), die eine beson­de­re Nacht ist und zwi­schen dem 14. und 15. Šaʿbān liegt. In die­ser Nacht glaubt, dass in ihr beson­de­re gött­li­che Barm­her­zig­keit und Segen zuteil wird, wobei auch die Sün­den der Mus­li­me ver­ge­ben wird. Es ist zwar rich­tig, dass es die­se Nacht in der Mit­te des Šaʿbān gibt und dass auch durch Allāh (سبحانه و تعالى) den Mus­li­me in einer gerech­ten Wei­se ver­ge­ben wird. Jedoch ist die­se Nacht mit kei­nem beson­de­ren, isla­mi­schen Ritus ver­bun­den. Der Autor ruft in sei­nem Buch zu die­ser Nacht sinn­ge­mäß zu ver­mehr­ter ʿIbādah auf, spricht sich aber gegen eine kol­lek­ti­ve Zusam­men­kunft für die­se ʿIbādah aus, son­dern emp­fiehlt hier­für eine indi­vi­du­el­le ʿIbādah.

Der Name der Nacht – Lai­lat al-Barā'a – ist offen­bar auch eine Neu­be­nen­nung aus moder­ner Zeit. Denn damals gab es den Namen für die­se Nacht nicht. Die Nacht wur­de schicht als "die Nacht in der Mit­te des Šaʿbān" bezeich­net.

Fazit: An für sich ist das Buch schon brauch­bar, wenn man es sich gekauft hat. Wer es sich jedoch nicht kau­fen möch­te, der bereut es auch nicht. Ich bin der Mei­nung, dass man durch­aus sei­ne gut­ge­dei­hen­des Berech­ti­gung als Buch hat, wenn man eini­ge Stel­len ändert, streicht oder auf­wer­tet. Was ich mir per­sön­lich wün­schen wür­de, wäre eine kur­ze sprach­li­che Bedeu­tung über die ein­zel­nen Monats­na­men und ein klei­ner his­to­ri­scher Abriss in weni­gen Sät­zen, wie die ein­zel­nen Mona­ten in vor­is­la­mi­scher Zeit gehand­habt wor­den. Wei­ter­hin fiel mir ver­ein­zeln auf, dass bei man­chen Über­lie­fe­run­gen des Gesand­ten Allāhs (صلى الله عليه و سلم) kei­ne Quel­le im Buch ange­ge­ben wird. Das gießt ein biss­chen mehr Miss­trau­en. Ande­rer­seits hebt das Buch den­noch die Wich­tig­keit der isla­mi­schen Mona­te und ihrer Bedeu­tun­gen her­vor.

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