Gesamtcover des Buchs "Das Barnabasevangelium und die Wiederentdeckung des Judenchristentums"

Buch "Das Barnabasevangelium und die Wiederentdeckung des Judenchristentums" angekündigt

Auf der Face­book-Fan­sei­te "Das Bar­na­bas-Pro­jekt" wur­de ein neu­es Buch im sufis­ti­schen Spohr-Ver­lag ange­kün­digt. Eigent­lich hat der Sufis­mus kei­nen erwähn­ba­ren Stel­len­wert in die­sem Blog. In die­sem Bericht erfahrt ihr aber, war­um ihr den­noch über das aktu­ell ange­kün­dig­te Buch "Das Bar­na­ba­sevan­ge­li­um und die Wie­der­ent­de­ckung des Juden­chris­ten­tums" ein paar Wor­te ver­lie­ren will.

Der edle Qur'an gibt an, dass das Erschei­nen des letz­ten Gesand­ten Allahs (sall­Al­la­hu alayhi wa sallam) bereits zu Zei­ten von 'Isa/Jesus (alayhi salam) ange­kün­digt wur­de. Ein paar ent­spre­chen­de und ver­steck­te Hin­wei­se las­sen sich in der Bibel fin­den. Die christ­li­che Bibel defi­niert sich heu­te aus den bei­den gro­ßen Tei­len – das Alte (AT) und das Neue Tes­ta­ment (NT) – und aus einer gewis­sen Anzahl von klei­ne­ren Schrif­ten und Büchern. Die­se klei­ne­ren Bücher und Schrif­ten kön­nen je nach je nach jüdischer/christlicher Kon­fes­si­on im AT und im NT vari­ie­ren. Hier­zu gibt es aber auch noch wei­te­re Schrif­ten und Bücher, einen jüdischen/christlichen Kon­text haben, die aber vom Judentum/Christentum nicht akzep­tiert wer­den. Sol­che Wer­ke nennt man Apo­kry­phen. Eines die­ser Apo­kry­phen ist das so genann­te Bar­na­ba­sevan­ge­li­um, dass angeb­lich vom Jün­ger und Apos­tel Bar­na­bas geschrie­ben wor­den sei. Die­ses Buch erscheint seit lan­gem in deut­scher Über­set­zung im Spohr-Ver­lag. In die­sem Evan­ge­li­um wird unter ande­rem an mehr­fa­chen Stel­len auf das Erschei­nen des letz­ten Gesand­ten Allahs (sall­Al­la­hu alayhi wa sallam) hin­ge­wie­sen. Ich bin Mus­lim und habe aus Inter­es­se die­ses Evan­ge­li­um durch­ge­le­sen, muss aber sagen, dass die­ses Buch in sei­ner gänz­li­chen Wahr­heit nicht über­zeugt hat.

Barnabasevangelium
Bar­na­ba­sevan­ge­li­um

Nun gibt es aber eini­ge zum Islam beken­nen­de Men­schen, die tat­säch­lich glau­ben, dass die­ses Evan­ge­li­um das ein­zi­ge und wah­re Evan­ge­li­um über 'Isa/Jesus (alayhi salam) sei. Das ist auf­grund des Umstan­des, dass dort auf das Erschei­nen des letz­ten Gesand­ten Allahs (sall­Al­la­hu alayhi wa sallam) hin­ge­wie­sen wird. Und prompt hält man jedes geschrie­be­ne Wort für authen­tisch. Zumal trei­ben auch die Sufis ihr Unwe­sen her­um, die im Ver­trieb der deut­schen Über­set­zung des Bar­na­ba­sevan­ge­li­ums invol­viert sind, und wir­ken so aktiv bei der Ver­brei­tung die­ser angeb­li­chen Wahr­heit mit. Ich bin da ziem­lich skep­tisch. Es gibt genug Men­schen, die jeden stin­ken­den Bock­mist als pures Gold ver­kau­fen wol­len; sowohl bei den Anders­gläu­bi­gen, als auch bei den Gläu­bi­gen aus den eige­nen, reli­giö­sen Rei­hen. Lei­der hat­te sich die­se kri­ti­sche Ein­stel­lung beson­ders auch durch das dubio­se Trei­ben des Idio­ti­schen Staa­tes gefes­tigt, in der vie­le Gleich­den­ken­de blind und taub sich ver­rannt haben.

Wer jedoch sich für isla­mi­sche Geschich­te sich inter­es­siert (wie ich), wird bei dem per­sön­li­chen Selbst­stu­di­um um Quel­len aus der Judäi­ka bzw. aus den Israi­liyat nicht her­um kom­men. Sol­che Quel­len soll­ten man mit Vor­sicht genie­ßen, die sich nich­t­is­la­mi­schen Quel­len sind, kön­nen aber in der For­schung zusätz­li­che, infor­ma­ti­ve Fund­stü­cke ent­hal­ten. Zu die­sem Quel­len zählt auch das Bar­na­ba­sevan­ge­li­um, des­sen Echt­heit aller­dings wis­sen­schaft­lich nicht bestä­tigt ist, obwohl die möch­te­gern-flie­gen­den Sufis es mit sprach­wis­sen­schaft­lich-ver­klun­ge­nen Tex­ten gern als abso­lu­te Wahr­heit ver­ti­cken wol­len. Ab so einem Moment soll­te man sei­nen Ver­stand ein­schal­ten und die Sache kri­ti­scher betrach­ten, statt jeden Text blind glau­ben, der sprach­lich noch so plau­si­bel klin­gen man.

Nun habe ich das Bar­na­ba­sevan­ge­li­um vor eini­gen Jah­ren gele­sen. Ich fand es zwar sehr inter­es­sant, aber in einem Gesamt­kon­zept konn­te es mich nicht über­zeu­gen, dass der Inhalt abso­lut und zwei­fels­frei wahr sei. Ich bin zwar jemand, der offen für alte, christ­li­che Schrift­stü­cke ist, bewah­re mit aber auch immer eine beur­tei­len­de Hal­tung. Ich muss jedoch geste­hen, dass das Bar­nas­ba­sevan­ge­li­um ein nen­nens­wer­tes Fund­stück ist.

Die Gestal­ten bei dem Spohr-Ver­lag sind natür­lich eif­rig bemüht, die Pfer­de mit allen erdenk­li­chen Mit­teln vor­an­zu­trei­ben und so alles Unter­stüt­zen­de für den Erhalt und der Ver­brei­tung des Bar­na­ba­sevan­ge­li­ums in die Wege zu lei­ten, u. a. auch das Publi­zie­ren von neu­en Büchern. So ein Buch das ange­kün­dig­te Buch "Das Bar­na­ba­sevan­ge­li­um und die Wie­der­ent­de­ckung des Juden­chris­ten­tums". Der Autor die­ses Buchs ist Dani­el Alex­an­der Erhorn, der eini­ges, aka­de­mi­sches WIs­sen auf den Rip­pen hat. (Ich könn­te mir auch gut vor­stel­len, dass er die Face­book-Fan­sei­te "Das Bar­na­bas-Pro­jekt" admi­nis­triert.) Über den eigent­li­chen Inhalt des Buchs erfährt man aller­dings etwas im aller­letz­ten Satz eines zwei Absatz lan­gen Klap­pen­tex­tes:

Das Bar­na­ba­sevan­ge­li­um hat­te durch die Ver­mitt­lung von John Tolands Schrift „Naza­re­nus“ (1718) einen bis­lang nicht wahr­ge­nom­me­nen Ein­fluß auf die Vor­den­ker der his­to­risch-kri­ti­schen Bibel­aus­le­gung wie Rei­ma­rus, Les­sing, Eich­horn und Baur bewie­sen. Die heu­te längst ver­ges­se­ne „Urevan­ge­li­ums­hy­po­the­se“ Les­sings (1778) und Eich­horns (1804), aber auch das Baur’sche Ent­ste­hungs­mo­dell der frü­hen Kir­che konn­ten tat­säch­lich erst mit Tolands Wie­der­ent­de­ckung des Juden­chris­ten­tums als des Glau­bens der Jün­ger Jesu und des von die­sen benutz­ten hebräi­schen Evan­ge­li­ums plau­si­bel begrün­det wer­den. Im Unter­schied zu sei­nen Zeit­ge­nos­sen, die es als eine plum­pe mus­li­mi­sche Fäl­schung ver­kann­ten, iden­ti­fi­zier­te Toland das Bar­na­ba­sevan­ge­li­um als ein frü­hes juden­christ­li­ches Evan­ge­li­um, das von der mus­li­mi­schen Tra­di­ti­on auf­ge­nom­men und tra­diert wor­den war – und ern­te­te dafür damals nichts als Häme und Spott.
Erst in jün­ge­rer Zeit wur­de sei­ne Hypo­the­se von den Ori­en­ta­lis­ten Shlo­mo Pines (1966), Marc Phi­lo­nen­ko (1974) und Lui­gi Ciril­lo (1975) wie­der auf­ge­nom­men – die­ses Mal, ohne von sei­ten der christ­li­chen Theo­lo­gie auch nur beach­tet zu wer­den. In der Fol­ge einer sol­chen Igno­ranz konn­te es dem Main­stream aka­de­mi­scher Bibel­for­schung nur ver­bor­gen blei­ben, daß Les­sings „Urevan­ge­li­ums­hy­po­the­se“ durch eine 1966 wie­der­ent­deck­te juden­christ­li­che Quel­le sowie zahl­rei­che Resul­ta­te der neu­tes­ta­men­li­chen Text­for­schung indes nach­hal­tig bestä­tigt wird. Die hier vor­ge­leg­te Schrift soll ein erneu­tes Plä­doy­er für die Toland’sche Posi­ti­on sein und auf eine künf­ti­ge umfas­sen­de his­to­risch-kri­ti­sche Ana­ly­se des Bar­na­ba­sevan­ge­li­ums vor­be­rei­ten.

 Wer nun auf der Suche nach Exis­tenz­schnip­seln des Juden­chris­ten­tums im Sin­ne der For­schung isla­mi­scher Geschich­te ist, der kann ein wachen­den Blick auf das vor­ge­stell­te Buch "Das Bar­na­ba­sevan­ge­li­um und die Wie­der­ent­de­ckung des Juden­chris­ten­tums" haben. Sobald es in Erschei­nungs­ter­min zu die­sem Buch gibt, erfahrt ihr es in die­sen Blog.

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