Vorderansicht des Buchs "Die Wiederbelebung der verschlossenen Herzen"

Rezension des Buchs "Die Wiederbelebung der verschlossenen Herzen"

Vor eini­ger Zeit habe ich das Buch “Die Wie­der­be­le­bung der ver­schlos­se­nen Her­zen” durch­ge­le­sen. Hier in die­sem Bei­trag erfolgt nun mei­nen Rezen­si­on zum Buch. Und ich muss sagen, dass der Inhalt des Buchs ein ganz ande­rer war, als ich erwar­tet habe. Es war aber kein schlech­te Erwar­tung.

Das Buch “Die Wie­der­be­le­bung der ver­schlos­se­nen Her­zen” wur­de einst von Abu al-Faraj ibn al-Gau­zi ver­fasst. Die vor­lie­gen­de, deut­sche Über­set­zung ist höchst­wahr­schein­lich eine Zweit­über­set­zung aus dem Eng­li­schen, wobei dies nicht bestä­tigt ist. Im Übri­gen war Abu al-Faraj ibn al-Gau­zi war direk­ter fer­ner Nach­fah­re des Saha­ber und ers­ten Kha­li­fen Abu Bakr as-Siddiq in 19. Nach­fah­ren­ge­ne­ra­ti­on gewe­sen. Abu al-Faraj ibn al-Gau­zis voll­stän­di­ger Abstam­mungs­na­me zu Abu Bakr as-Siddiq lau­tet Abu Faraj Abdu-r-Rah­man ibn ‘Ali ibn Muham­mad ibn ‘Ali ibn ‘Ubay­dul­lah ibn ‘Abdul­lah ibn Hama­di ibn Ahmad ibn Muham­mad ibn Jafar al-Jau­zi ibn ‘Abdul­lah ibn al-Qasim ibn an-Nasir ibn al-Qasim ibn Muhammd ibn ‘Abdul­lah ibn ‘Abdu-r-Rah­man ibn al-Qasim ibn Muham­mad ibn Abu Bakr as-Siddiq (ابو الفرج عبد عبد الرحمن بن علي بن محمد بن علي بن عبيد الله بن عبد الله بن حمادى بن أحمد بن محمد بن جعفر الجوزي بن عبد الله بن القاسم بن النضر بن القاسم بن محمد بن عبد الله بن عبد الرحمن بن القاسم بن محمد بن أبي بكر الصديق). Abu al-Faraj ibn al-Gau­zi wur­de im Jahr 1116 in Bag­dad gebo­ren und stamm­te aus einer wohl­ha­ben­den Fami­lie von Kup­fer­schmie­den. Er war ein han­ba­li­ti­scher Uni­ver­sal­ge­lehr­ter und wur­de auf­grund sei­ner Bega­bung als mit­rei­ßen­der Red­ner und Pre­di­ger bekannt. Abu al-Faraj ibn al-Gau­zi starb am 12. Rama­dan 597 (= 16. Juni 1201) in Bag­dad und wur­de am Harb-Tor begra­ben. (Man merkt, hier spricht mei­ne Begeis­te­rung eines Ahnen­for­schers.)

In die­ser Rezen­si­on möch­te ich zunächst auf den Buch­ti­tel der deut­schen Über­set­zung kurz ein­ge­hen und anschlie­ßend auf den eigent­li­chen Inhalt des Buchs über­grei­fen. Der deut­sche Buch­ti­tel “Die Wie­der­be­le­bung der ver­schlos­se­nen Her­zen” war eigent­lich aus­schlag­ge­bend, wes­halb ich nach län­ge­rer Zeit mich wie­der einem isla­mi­schen Buch wid­me­te. Per­sön­li­che Umstän­de und unge­woll­te Umbrü­che in mei­nem Leben mich davon abge­hal­ten. Zwar waren die Ent­schei­dun­gen auf Ver­än­de­run­gen mei­ner­seits immer bewusst gewollt, aber die Ursa­chen und Aus­lö­ser kamen unvor­her­ge­se­hen. (Allah macht, was er will.) Unter mei­nen mus­li­mi­schen Bekannt­schaf­ten gab es eini­ge, die Unru­he und Zwie­tracht stif­te­ten und mehr für Unrecht/Unruhe sorg­ten, anstatt für Recht/Ruhe. Wie reagiert man auf sol­che islam­ver­hal­tens­ge­stör­te Per­so­nen? Eine ein­fa­che, kla­re Ant­wort kann man dazu nicht geben, da dies ein Sach­ver­halt ist, der in das The­men­ge­biet der zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen ein­geht. Sol­che Fäl­le sind immer spe­zi­fisch, da der Pro­blem­ver­ur­sa­cher und das Opfer stets unter­schied­li­che Cha­rak­te­ri­en und Eigen­schaf­ten haben. Für sol­che Ange­le­gen­hei­ten gibt es nie eine Patent­lö­sun­gen, geschwei­ge denn aus­ge­wo­ge­ne, isla­mi­sche Lite­ra­tur. Was man machen kann – und was eigent­lich die nahe­lie­gends­te, mensch­li­che Reak­ti­on ist, – ist das sich Ent­fer­nen und Mei­den von Pro­blem­her­den und zwie­träch­ti­gen Ange­le­gen­hei­ten. Das ist auch das Min­des­te, was der Quran und die Über­lie­fe­run­gen des Gesand­ten Allahs صلى الله عليه وسلم vor­ge­ben. Und zwar, dass man einen Abstand über alle Din­ge hält, die zwei­fel­haft erschei­nen und Ärger ver­ur­sa­chen.

In mei­nen Fall führ­te dies zu einer per­ma­nen­ten Abnei­gung gegen sol­che geis­ti­gen Brand­stif­ter und poten­zi­ell begab­ten Feu­er­läu­fer in einer Form, die man als Zorn und Hass bezeich­nen könn­te, und folg­lich zu einem ver­här­te­tem Her­zen und so man­chen unis­la­mi­schen Cha­rak­ter. Blind ist der, der sei­ne eige­ne Feh­ler nicht erkennt und dumm ist der, der sich selbst nicht zur Rechen­schaft zieht.

Ich mer­ke, ich schwei­fe ab – zurück zum eigent­li­chen The­ma. Aus per­sön­li­chem Nut­zen hat mich das Buch nun ange­spro­chen, da ich die Hoff­nung hat­te, etwas gegen ein ver­här­te­tes und ver­schlos­se­nes Herz zu fin­den, was hel­fen könn­te. Der deut­sche Buch­ti­tel ver­sprach augen­schein­lich eine gute Ant­wort, denn schließ­lich gab man vor, es soll­te eine “Wie­der­be­le­bung der ver­schlos­se­nen Her­zen“ sei­en. Ich erhoff­te mich also, etwas wie Tipps & Trick, sowie Hin­wei­se & Hil­fe­stel­lung dar­in zu fin­den. Beim Lesen des Buchs merk­te ich aber, dass man der­er­lei nicht vor­fand. Die Her­an­ge­hens­wei­se war vom Autor Abu al-Faraj ibn al-Gau­zi eine ganz ande­re gewe­sen und leg­te sich mehr auf die Umkehr von Per­so­nen aus, die den Islam unge­nü­gend aus­üb­ten, als es ver­langt wur­de.

Als ich bemerk­te, dass der Inhalt des Buchs nicht jener, was wie zuerst gehofft, stell­te ich fest, dass der deut­sche Buch­ti­tel ein wenig irre­füh­rend wirk­te. Er war zwar sehr anspre­chend gewe­sen, was ich gut fand. Jedoch reprä­sen­tier­te der Buch­ti­tel nicht den wesent­li­chen Inhalt des Buchs wie­der. Man kann zwar nun inter­pre­tie­ren, dass mit den ver­schlos­se­nen Her­zen eine Ver­schlos­sen­heit gegen­über dem Islam ver­stan­den wer­den kann. Das mag sei. Ich ver­stand mit dem Aus­druck der ver­schlos­se­nen Her­zen ein Syn­onym für ein ver­här­te­tes Herz mit einer Ver­schlos­sen­heit zu einem guten Cha­rak­ter. Ich den­ke auch, dass die meis­ten mus­li­mi­schen Leser es eben­so ver­ste­hen wür­den.

Da der deut­sche Buch­ti­tel etwas ande­res war, als man zunächst erhoff­te, kam es mir in den Sinn, wie der ursprüng­li­che ara­bi­sche Titel läu­te­te. Zum guten Ver­ständ­nis hat­te der Gra­na­da-Ver­lag, wo das Buch ver­öf­fent­licht wur­de, eine Tran­skrip­ti­on des ara­bi­schen Buch­ti­tels bei­ge­fügt: Kit­ab al-Muq­liq. Der Bestand­teil “al-Muq­liq” bedeu­tet im über­tra­gen­den Sin­ne “Intri­gant” oder “Unru­he­stif­ter”. Genau genom­men bedeu­tet es aber: jemand, der ande­re beun­ru­higt, besorgt, ver­ängs­tigt bzw. erregt. Ähn­lich ist es auch mit dem Buch­ti­tel der eng­li­schen Über­set­zung: Dis­tur­ber of the hearts = Unru­he­stif­ter der Her­zen.

Und wer ist “al-Muq­liq” bzw. “the dis­tur­ber”? Wer das Buch kennt und auf­merk­sam durch­ge­le­sen hat, wird erken­nen, dass nicht Iblis als Schay­tan gemeint ist. Die­ser fin­det in die­sem Buch – soweit ich mich erin­ne­re – kei­ne Erwäh­nung. Mit “al-Muq­liq” bzw. “the dis­tur­ber” ist der Tod gemeint. Und hier schließt sich auch gleich die Kern­bot­schaft an, die der Autor des Buch ver­mit­teln will: Wer an einen bevor­ste­hen­den Tod denkt, dem ver­ur­sacht es Unru­he und Unbe­ha­gen im Her­zen. Dar­um soll der Mus­lim zu der Glau­bens­grund­la­ge des Islam auf­rich­tig zurück­keh­ren und sei­ne Sün­den & Mis­se­ta­ten bewusst wer­den und die­se bereu­en. Denn wer das nicht will, der wird im Jen­seits eine böse und schmerz­haf­te Über­ra­schung erfah­ren.

Das Buch hat in sei­ner deut­schen Über­set­zung ins­ge­samt 52 Kapi­tel, wenn man die Ein­lei­tung und die Bio­gra­fie zum Autor nicht mit­zählt. Die Kapi­tel beinhal­ten im Über­lie­fe­run­gen, die auf den Gesand­ten Allahs صلى الله عليه وسلم, auf die Saha­ber und spä­te­ren Khal­af zurück­zu­füh­ren sind. Die Inhal­te der Über­lie­fe­rung spie­geln Ermah­nun­gen, die Ängs­te eini­ger bekann­ter und got­tes­fürch­ti­ger Per­so­nen, die Beschrei­bun­gen der Stra­fen im Jen­seits und wesent­li­che Aspek­te des Über­tritts in das Jen­seits wider.

Beson­ders die Über­lie­fe­run­gen, die auf den Gesand­ten Allahs صلى الله عليه وسلم zurück­zu­füh­ren sind, wer­den dem Leser an eini­gen Stel­len bekannt sein. Ande­re Über­lie­fe­run­gen, die bei­spiels­wei­se auf die Khal­af der spä­te­ren Gene­ra­tio­nen zurück­ge­hen, wer­den dem Leser logi­scher­wei­se weni­ger bekannt sein. Beson­ders mir hat sich bei eini­gen die­ser spä­te­ren Über­lie­fe­run­gen eine gewis­sen Besorg­nis über die Authen­ti­zi­tät die­ser Über­lie­fe­run­gen berei­tet. Bei die­sen Über­lie­fe­run­gen hat­te man das Gefühl, dass die han­deln­de Per­son got­tes­fürch­ti­ger erschien als der Gesand­te Allahs صلى الله عليه وسلم selbst. Bei sol­chen Über­lie­fe­run­gen emp­feh­le ich eine skep­ti­sche Hal­tung ein­zu­neh­men.

Die Inhal­te vom Groß­teil der Über­lie­fe­run­gen sind ver­ständ­lich. Es gibt aber auch eini­ge Kapi­tel, die für den Lai­en ohne wei­te­re Erklä­run­gen im Ver­ständ­nis nicht umfas­send erschlos­sen wer­den kön­nen. Hier zählt nach mei­ner Ein­schät­zung als Bei­spiel das Kapi­tel “Die Ängs­te und Sor­gen des ‘Umar ibn ‘Abdil ‘Aziz”. In die­ser Über­lie­fe­rung geht es zunächst augen­schein­lich um die Inhalt einer Tasche von ‘Umar ibn ‘Abdil ‘Aziz, dem Groß­enkel ‘Umar ibn al-Khattab und 8. Kha­li­fen der Umay­ya­den. Man fin­det bei­spiels­wei­se in der Tasche ein paar zer­fetz­te Klei­dungs­stü­cke, die ‘Umar ibn ‘Abdil ‘Aziz in den Näch­ten getra­gen haben soll. Die Tasche wur­de übri­gens nach dem Tod von ‘Umar ibn ‘Abdil ‘Aziz von ein paar anwe­sen­den Bediens­te­ten geöff­net, um den Inhalt zu prü­fen. Auf die Ängs­te und Sor­gen von ‘Umar ibn ‘Abdil ‘Aziz wird bei­spiels­wei­se in der Über­lie­fe­rung gar nicht ein­ge­gan­gen; zumin­dest wie es der Kapi­tel­na­me sug­ge­riert. Die­se Ängs­te und Sor­gen muss der Laie in der Regel über ande­re Wege nach­re­cher­chie­ren.

Am Ende stellt sich dem Leser meist die Fra­ge, wel­chen Nut­zen er vom Lesen des Buchs bekom­men hat. Die Resul­ta­te sind unter­schied­lich: der Leser kann einen sofor­ti­gen Nut­zen erfah­ren, der Leser merkt, dass er kei­nen Nut­zen aus die­sem Buch erhal­ten kann, oder der Nut­zen zeigt sich erst mit der Zeit. Nutz­voll ist das Buch in der Hin­sicht, da es Ermah­nun­gen für eine mög­li­che Stra­fe im Jen­seits beinhal­tet. Es obliegt dem Leser, wie er mit dem Ermah­nun­gen umgeht. Sicher ist, dass kei­ne Ver­än­de­run­gen von heu­te auf mor­gen pas­sie­ren, wenn man die Ermah­nun­gen beher­zigt und sein Leben danach aus­rich­tet. Es ist eher ein Pro­zess, der lang­sam und fort­schrei­tend ist. Die klei­nen Ände­run­gen zei­gen erst ihre Wir­kung, wenn sie z. B. durch wei­te­re klei­ne Ände­run­gen auf­sum­mier­te wer­den, oder wenn sie zu einem fes­ten Bestand­teil des all­täg­li­chen Lebens gewor­den sind. Got­tes Müh­len mah­len lang­sam, aber ste­tig.

Wer Inter­es­se an die­sem Buch hat, der kann das Buch für glat­te 9 EUR bei Cor­do­ba-Buch bestel­len. Das Buch hat 132 Sei­ten. Die ISBN lau­tet 978–3-944062–57-0.

Kommentar verfassen