Buch "Ramadan - Ein Monat des Fastens, nicht des Fasenbrechens"

Rezension des Buchs "Ramadan – Ein Monat des Fastens, nicht des Fastenbrechenens"

In die­sem Buch stel­le ich mei­ne Rezen­si­on zum Buch "Rama­dan – Ein Monat des Fas­tens, nicht des Fas­ten­bre­chen­ens" vor.

Es hat ein wenig gedau­ert, bis ich das Buch "Rama­dan – Ein Monat des Fas­tens, nicht des Fas­ten­bre­chen­ens" durch­ge­le­sen habe. Der Grund ist zeit­li­cher Art, denn mir ste­hen nur ca. 2–3 Tage in der Woche zur Ver­fü­gung ste­hen, in denen ich in Ruhe ein Buch lesen kann. Aber nun zur eigent­li­chen Rezen­si­on vor mir…

Geschrie­ben wur­de das Buch von Nured­din Yıl­dız usprüng­lich in tür­ki­scher Spra­che. Daher ist das Buch auch eine Über­set­zung aus dem tür­ki­schen Ori­gi­nal­werk "Rama­zan Risa­le­si". Ob die deut­sche Über­set­zung eins zu eins in sei­ner Kapi­tel­an­ord­nung mit dem tür­ki­schen Ori­gi­nal­buch ist, ver­mag ich lei­der nicht sagen, da das tür­ki­sche Buch mir zum Ver­gleich nicht vor­liegt. Der Ver­lag des Buchs ist in bei­den Fäl­len jedoch Tahlil Yay­ın­ları. Im Tür­ki­schen hat das Buch in 5. Auf­la­ge einen Inhalt von 92 Sei­ten, im Deut­schen sogar 150 Sei­ten; also eine gan­ze Ecke mehr. Ich per­sön­lich habe aber das Gefühl, dass die bei­den letz­ten Kapi­tel "Wir sind nicht sai­son­ab­hän­gig" & "Die Sabo­ta­ge des Rama­dans" für die deut­sche Über­set­zung extra bei­ge­fügt wür­den sind und eher eigen­stän­di­ge, klei­ne­re Auf­sät­ze oder Ver­öf­fent­li­chun­gen waren.

Buch "Ramazan Risalesi"
Buch "Rama­zan Risa­le­si"

Das Buch ist grob in 9 Kapi­tel unter­teilt, wenn man das Vor­wort und den gesam­ten Text davor außer Acht lässt. Das ers­te Kapi­tel "Ein Monat des Fas­tens, nicht des Fas­ten­bre­chen­ens!" macht den Buch­un­ter­ti­tel gleich zum Pro­gramm im Auf­takt des Buch­le­sens. In die­sem Kapi­tel fin­det man ein­lei­tend eini­ge nütz­li­che Naṣīḥa im Umgang auf ver­schie­de­ne Aspek­te des Rama­dans (z. B. dem Iʿti­kāf, Saḥūr/Suḥūr etc.). Die­se Naṣīḥa kon­zen­trie­ren sich mehr auf die inner­li­che Bestre­bung eines jeden Selbst und den zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hung statt auf die Ḥalāl-Ḥarām-Regeln aus dem Fiqh. Erst das nächs­te Kapi­tel "Die prak­ti­schen isla­mi­schen Bestim­mun­gen des Fas­tens" geht der Autor auf die­se Ḥalāl-Ḥarām-Regeln ein, die den Rama­dan gül­tig las­sen wer­den. Das Kapi­tel ist aller­dings nicht son­der­lich lang und geht somit nicht in das Detail hin­ein, son­dern es ist nur grund­le­gend. Im anschlie­ßen­den Kapi­tel "Was ist der Monat Rama­dan nicht?" führt der Autor eini­ge Tabu-Hand­lun­gen auf, die man im Rama­dan unter­las­sen soll­te, z. B. im Rama­dan unnö­tig auf Rei­se zu gehen, um der Anstren­gung des Fas­tens zu ent­flie­hen, oder das über­mä­ßi­ge Essen bei täg­li­chen Fas­ten­bre­chen. Schließ­lich wird sogar ein gan­zes Kapi­tel "Der Rama­dan-Rat­ge­ber für die Frau­en" spe­zi­ell nur die Frau­en gewid­met, wo noch ein­mal geson­dert Naṣīḥa für die Frau­en vor­zu­fin­den sind. Im nächs­ten Kapi­tel "Kein Rama­da­nis­mus" ver­sucht der Autor den Leser zu moti­vie­ren, dass man den got­tes­dienst­li­chen Zustand, den man im idea­len Fall im Rama­dan her­bei­führt, auch auf die ande­ren Tage und Mona­te außer­halb des Rama­dans zu über­tra­gen. Nach drei klei­ne­ren, wei­te­ren Kapi­teln folgt sich das End­ka­pi­tel "Die Sabo­ta­ge des Rama­dans". Die­ses Kapi­tel ist das größ­te Kapi­tel im Buch und füllt immer­hin 35 vol­le Sei­ten. In die­sem Kapi­tel bekommt man den Ein­druck, dass der Autor sei­nen Frust gegen­über den Erneue­run­gen, die für den Rama­dan von den zum Islam beken­nen­den Men­schen auf­be­rei­tet wer­den, in die­sen 35 Sei­ten ent­lädt.

Buch "Ramadan - Ein Monat des Fastens, nicht des Fasenbrechens"
Buch "Rama­dan – Ein Monat des Fas­tens, nicht des Fasen­bre­chens"

Gut gefal­len hat mir, dass der Autor weni­ger von rei­ner Theo­rie redet, son­dern den Leser moti­vie­ren möch­te, den Rama­dan bes­ser aus­zu­füh­ren, als man es in den Vor­jah­ren getan hät­te. Dazu ver­wen­det der Autor an eini­gen Stel­len bild­haf­te Ver­glei­che, die den jewei­li­gen Sach­ver­halt ver­deut­li­chen. Der Autor ver­zich­tet bewusst auf rei­ne Theo­rie, die von eini­gen Leser als tro­cken emp­fun­den wer­den kann und stellt eher die Prak­tik in Hin­ter­grund. Daher beschränkt sich der Autor z. B. im Kapi­tel "Die prak­ti­schen isla­mi­schen Bestim­mun­gen des Fas­tens" auf das nötigs­te Fiqh-Wis­sen. Was ich jedoch an die­ser Stel­le des genann­ten Kapi­tel ver­mis­se – und an den ande­ren Stel­len im gesam­ten Buch eben­so – sind die feh­len­den Quel­len zu den Ḥalāl-Ḥarām-Regeln aus dem Bereich des Fiqh. Man bekommt hier den Ein­druck, dass der Autor sonst nur auch eige­nem Ver­ständ­nis ohne Beweis redet. Ich wür­de als Ver­bes­se­rung emp­feh­len, dass man ein­fach mit­tels Fuß­no­ten auf die ent­spre­chen­den isla­mi­schen Quel­len ver­weist, ohne den Inhalt der Quel­le expli­zit zu zitie­ren. Der Leser wird unab­hän­gig davon ein wei­te­res Buch auf­su­chen, wo einen genaue­ren Inhalt zu einer bestimm­ten Fiqh-Ange­le­gen­heit im Rama­dan fin­den wird.

Etwas komisch fin­de ich jedoch die Vor­aus­set­zun­gen für das Bezah­len der Zaka­tu-l-Fitr auf Sei­te 90 des Buchs in deut­scher Über­set­zung. Dort heißt, dass man die Zaka­tu-l-Fitr nur dann ent­rich­ten muss, wenn man Mus­lim ist und min­des­tens 81 Gramm Gold besitzt. Die Anga­be des Besit­zes von 81 Gramm Gold ist mei­nes Erach­tens auf die Zaka­tu-l-Fitr bezo­gen tota­ler Hum­bug. Auf die übli­che, jähr­li­che Zakat (einer der Säu­len des Islams) hin­ge­gen ist die­se Regel anwend­bar, aber nicht auf die spe­zi­el­le Zaka­tu-l-Fitr am Ende des Rama­dan. Ich den­ke, da lag eine Ver­wechs­lung sei­tens des Autors vor. Zaka­tu-l-Fitr muss grund­sätz­lich jeder geben, der dazu finan­zi­ell in der Lage und übli­cher­wei­se einen eige­nen Haus­halt führt. In der Regel sind es meis­tens die Fami­li­en­ober­häup­ter eines Haus­halts, die die Zaka­tu-l-Fitr in der Höhe von ca. 1 Hand­voll Grund­nah­rungs­mit­teln pro Kopf der leben­den Fami­li­en­mit­glie­der an bedürf­ti­ge Per­so­nen, Rei­sen­de oder Per­so­nen, die zum Islam gewon­nen wer­den sol­len, abge­ben. Das heißt, wenn bei­spiels­wei­se 5 Per­so­nen in einem Haus­halt leben, dann muss das Fami­li­en­ober­haupt (meis­tens der Mann) 5 Mal im Maße eines Hand­voll (wenn bei­de Hän­de zusam­men geöff­net anein­an­der lie­gen) gefüllt an Grund­nah­rungs­mit­tel abge­ben. Die­se Grund­nah­rungs­mit­tel kön­nen z. B. Reis, Boh­nen, Mehl, aber auch Brot, Spa­ghet­ti oder ähn­li­ches sein.

Was ich per­sön­lich zu die­sem Buch posi­tiv beto­nen möch­te ist, die Ein­fach­heit der geschrie­be­nen Spra­che, die man dort vor­fin­det. Die Sät­ze sind dort sehr ver­ständ­lich geschrie­ben und über­setzt wor­den. Dies ist gleich­zei­tig auch die Kunst des Schrei­bens. Es geht nicht dar­um, für ein Buch viel und aus­führ­lich zu schrei­ben, son­dern die Infor­ma­tio­nen kom­pakt und in ver­ständ­li­cher Schrift­spra­che dem Leser hin­über zubrin­gen. Dies hat nach mei­ner Ein­schät­zung für das Buch "Rama­dan – Ein Monat des Fas­tens, nicht des Fas­ten­bre­chen­ens" gut bis sehr gut geklappt.

Für so man­chen Leser mit deut­schen Wur­zeln mag ein­zel­ne Bereich aus dem letz­ten Kapi­tel "Die Sabo­ta­ge des Rama­dans" unge­wohnt erschei­nen. Es wer­den z. t. Erneue­run­gen und fal­sche Prak­ti­ken erwähnt, die für ein deut­sches Umfeld total fremd sind. Dazu muss man wis­sen, dass der Buch­au­tor in der Tür­kei hei­misch ist und dort lebt & wirkt. Der Autor beschreibt somit das Umwelt, was er in der Tür­kei jähr­lich erlebt. Die­se Gesell­schafts­bild kann man nur bedingt in Deutsch­land ent­ge­gen brin­gen, da jedes Land sei­ne eige­ne Kul­tur hat.

Die Fra­ge, ob das Buch unter Strich einen Nut­zen für mich hat­te, muss der­zeit noch offen las­sen. Es gab zwar natür­lich eini­ge Stel­len im Buch, die ich mir beson­ders zu Her­zen neh­men will. Erst wenn der Rama­dan (der in 5–6 Tagen begin­nen wird) für das Jahr 2018 wie­der zu Ende ist, wird sich zei­gen, ob und wie das Buch antei­lig gehol­fen und wie ich mich selbst für Bes­se­rung ver­pflich­tet habe. Etwas schwie­ri­ger wird bei­spiels­wei­se auch jeden, der ein fes­tes Arbeits­le­ben von 8 Stun­den in einem 3-Schich­ten-Betrieb hat. Die­ser Aspekt wur­de vom Autor in sei­nem Buch lei­der nicht bedacht.

Habt ihr das Buch "Rama­dan – Ein Monat des Fas­tens, nicht des Fas­ten­bre­chen­ens" schon gele­sen? Wenn, ja, dann schreibt es mir bit­te wei­ter unten in dem Kom­men­tar­be­reich. Ich wür­de mich über eure Ant­wor­ten freu­en. Ansons­ten könnt ihr das Buch auf Kutubia für redu­zier­te 7,90 EUR bestel­len (sor­ry, wenn es für die­sen Rama­dan zu knapp sein soll­te). Falls ich Inter­es­se habt, dann lest auch die alter­na­ti­ven Rezen­sio­nen auf dem Mus­li­mi­schen Lese­kreis, des Assi­ra-Ver­lags, auf Akhawat.de oder im Ahlu-Sun­nah-Blog.

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.